Das spätbandkeramische Erdwerk bei Usingen...

Gefördert wurde die Grabung durch Mittel der Kommission für Archäologische Landesforschung (KAL) in Höhe von ca. 36.000,- DM. Mit 10 bis 15 freiwilligen, sehr engagierten Helfern und drei polnischen Gastarchäologen wurde die Grabung vom 11. Sept. bis 17. Nov. 2000 in etwa 470 Stunden durchgeführt (Projektleitung: Dr. H.-P. Wotzka, Grabungsleitung: E. Laufer).

(Foto: E. Laufer)

Topographie des Bodendenkmals: ein verflachter, nach Westen hin ansteigender Lößrücken (Bildmitte) in ca. 250 bis 260 m üNN, zw. dem "Eschbach" (Niederholz rechter Bildrand) und der Usa (links außerhalb des Bildes), zwei ganzjährig Wasser führende Bäche

Es wurden drei Schnitte angelegt (S 1 = 20 x 10, S 2 = 60 x 10 u. S 3 = 90 x 10 m) und dabei eine Gesamtfläche von 1700 qm geöffnet. Über 70 Befunde konnten dabei freigelegt und dokumentiert werden, darunter drei Grabenteilstücke, von denen der in S2 in Abschnitten ausgegraben wurde.

(Quelle: Posselt & Zickgraf)

Interpretierende Umzeichnung der Ergebnisse des Magnetometer-Surveys der geophysikalischen Prospektion im Aug. - Dez. 1999 (Posselt & Zickgraf Prospektionen GbR). Dargestellt sind nur die Gräben des Grabenwerks u. dessen (mögliche) Tore. Wesentlich für die Festlegung der zu prospektierenden Fläche waren die vorangegangenen Feldbegehungen mit Einzelfund- u. Befundvermessungen (angepflügte Gruben), bei der die genaue Fund-/Befundstreuung auf den Ackerflächen festgehalten werden konnte. Die Fundstreuung spiegelt i.V.m. den Messergebnissen nahezu exakt die Ausmaße des Bodendenkmals wieder, so dass ein eindeutiger Fundzusammenhang zw. den Oberflächenfunden u. dem sich darunter in Resten erhaltenen Bodendenkmal besteht.


(Foto: Optik - Meyer, Usingen)

Schnitte 1 bis 3 mit Grabenbefunden: links der nördliche Außengraben (schwarzer Pfeil, S3), rechts ein innerer Graben der von West nach Ost verläuft und  schließlich nach Süden einbiegt (zwei schw. Pfeile, S2 u. 3). Schwach erkennbar der wahrscheinliche Einwirkungsbereich eines Langhauses (umrissen durch orange Ecken in S2 u. 3), dessen Nordwestgraben in S 2 nachgewiesen werden konnte.

Im Rahmen der vorausgegangenen bodenkundlichen Untersuchungen sollten neben der Feststellung der Erhaltung des Bodendenkmals (Erosion/Kolluvien) in der angrenzenden Eschbach-Aue auch Feuchtbodenbedingungen lokalisiert werden, die für eine archäobotanische Materialgewinnung einen Baggertiefschnitt rechtfertigt hätten. Leider verliefen die Sondagen erfolglos, so dass auf den Schnitt verzichtet wurde.

Zwischenzeitlich liegen aus dem Usa-Tal archäopalynologische Prospektionen des Seminars für Vor- und Frühgeschichte vor (durchgeführt von G. Schmenkel), die in der Nähe des Grabenwerks zwar keine Pflanzenreste und Pollen führende Schichten aus bandkeramischer, dafür aber aus spätmittelalterlicher Zeit in bis zu 3 m Tiefe erfassten. Die mächtigen Sedimente darüber zeigen, dass sich das Relief der Auenlandschaft rund um das Grabenwerk durch Erosion entsprechend verflacht hat.

Über die Bedeutung des Grabenwerks kann auch nach der ersten Grabung nur spekuliert werden:

Diente es als Rückzugsmöglichkeit zum Schutz vor kriegerischen Auseinandersetzungen?

Handelte es sich gar um eine Kultstätte od. einen Zentralort?

Fragen, die wohl erst mittels einer vollständigen Ausgrabung zu beantworten wären...

Archäologie ist wie Kriminalistik: Sachbeweise ermöglichen anhand einer Indizienkette die Bildung verschiedener Hypothesen, von denen am Ende die wahrscheinlichste zur Erklärung des Bodendenkmals angenommen wird. Bis jetzt liegen keine Hinweise auf eine Kultstätte vor. Ein Zentralort mit Schutzfunktion für alle anderen spätbandkeramischen Siedlungen im Usinger Land erscheint als wahrscheinlich.

 

Der Verlauf der Grabung...


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