20 | 11 | 2019

Spätbandkeramiker in "Schwindel erregender Höhe"...


Bis 1999 stattfindende Begehungen auf einer Höhe am Rande des Usinger Beckens (über 400 m) erbrachten im Bereich von sieben bis acht aufeinander folgenden Hangterrassen zahlreiche vorgeschichtliche Lesefunde. Neben wohl eisenzeitlichen Scherben (ca. 5./6. Jh. v. Chr.) ließen sich auch einige wenige vorsichtig in die spätbandkeramische Zeit um 5.000 v. Chr. datieren.

Eine geomagnetische Prospektion eines Teils der Terrassen erbrachte leider keine archäologischen, dafür aber einen geologischen Befund: den Verlauf eines bis dahin unbekannten Basaltschlots, wodurch sich verwitterte Basaltsteine nebst Hornblende als zusätzliche Oberflächenfunde erklärten.

Im Herbst 1999 erfolgte ein Suchschnitt durch drei Terassen, der nach einer Winterpause im April 2000 fortgeführt und beendet wurde. Ziel war es, mögliche archäologische Befunde (Gruben, Pfostenspuren usw.) unter einem Kolluvium aufzudecken, weiteres datierbares Fundmaterial und nähere Erkenntnisse über die Terrassen zu gewinnen.

 

 

Die abgetragene Erde wurde gesiebt, dabei konnten einige Scherben geborgen werden, die sich aufgrund ihrer gut erhaltenen Verzierung in die spätbandkeramische Zeit um 5.000 v. Chr. datieren lassen (Phase IV/V nach Meier Arendt). Zusätzlich konnten drei Feuersteinklingen mit Sichelglanz, ein retuschierter klingenförmiger Kratzer und eine blattförmige Pfeilspitze aus grünlichem Kieselschiefer geborgen werden.

 

 

Spätbandkeramische Keramik links und Steinwerzeuge rechts, darunter die blattförmige Pfeilspitze (2), der klingenförmige Kratzer (4) und die Klingen mit Sichelglanz (1, 5 u. 6)

 

Um die verschiedenen Bodenschichten der Terrassen und somit deren Aufbau zu erfassen, wurde bis zum ungestörten Boden ein Profilgraben angelegt.

Zur Klärung der zeitlichen Entstehung der Bodendschichten wurden während der Grabung aus den angelegten Plana und Profilen vier Holzkohleproben für C-14-Analysen, vier OSL-Proben i.V.m. einer Gammaspektrometermessung und sechs weitere Erdproben entnommen.

 

 

Die Auswertung von Sedimentproben einer Terrasse erbrachte: Die obersten 5 cm entstanden im Mittelalter (10.-15. Jh.), die darunter liegenden Schichten jedoch bereits in der vorrömischen Eisenzeit (ca. 800-250 v. Chr.) und der ausgehenden Bronzezeit (um 1.100 v. Chr.).

Somit liegt für Hessen einer der seltenen Beweise vorrömischer Flurrelikte (Ackerkolluvien) vor, von denen es als solche in den Mittelgebirgsregionen noch unzählige gibt.


Ergebnis:

Das topographisch und bodenkundlich günstige, über 400 m üNN hohe Bergplateau lud zum Aufenthalt in vorgeschichtlicher Zeit ein. Die durch Oberflächenfunde vermutete Anwesenheit der Spätbandkeramiker konnte zweifelsfrei erbracht werden. Es handelt sich für Hessen um eine außergewöhnlich hoch liegende Fundstelle. Auf einem 450 m hohen Bergsporn bei Rüdesheim im Rheingau gibt es eine weitere bandkeramische Fundstätte. Beide Bodendenkmäler erlangen aufgrund ihrer Höhenlage eine überregionale Bedeutung in der Hessischen Archäologie. Die Funde lassen durchaus eine Siedlungstätigkeit annehmen, auch wenn durch den Suchschnitt keine typischen Siedlungsbefunde entdeckt werden konnten.

 

 

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