24 | 09 | 2017

Wehrheim, das Tor zur Bronzezeit im Usinger Land

Ein Gräberfeld der mittleren bis jüngeren Urnenfelderkultur (10./11. Jh. v. Chr.)

 

1995 wurde die Ehrenamtliche Kreisarchäologie des Hochtaunuskreises über die Reste einer vorgeschichtlichen Urnenbestattung informiert, die Ende der 70er Jahre des 2o. Jh. ein aufmerksamer Bürger beim Straßenbau in Wehrheim aus einem Kanalschacht geborgen hatte.

Die Auswertung ergab sehr schnell, dass ein bedeutendes archäologisches Bodendenkmal im Usinger Land entdeckt worden war: ein 3000 Jahre altes Gräberfeld aus der Urnenfelderkultur (ca. 1.300 - 750 v. Chr.).

Da im näheren Umfeld des Fundortes mit weiteren Bestattungen gerechnet werden musste, wurde im Herbst 1997 auf einem in unmittelbarer Nähe der Fundstelle gelegenen und zur Bebauung freigegebenen Grundstück eine ehrenamtliche archäologische Voruntersuchung durchgeführt. An 33 Tagen konnten 15 freiwillige Helfer/innen in insgesamt 164 Arbeitsstunden 660 Quadratmeter des ca. 720 Quadratmeter großen Grundstücks ohne Zeitdruck und zusätzliche finanzielle Belastung des Bauherren untersuchen.

Im Verlauf der Grabung konnten sieben Brandgräber entdeckt und geborgen werden. Die Gräber waren bereits durch Erosion und agrarwirtschaftliche Nutzung des Geländes mehr oder weniger in Mitleidenschaft gezogen und völlig individuell gestaltet. Sie stammen aus dem 10./11. Jh. v. Chr., der jüngeren Urnenfelderkultur.

 

Ausgrabungsfläche 1997, Schnitt I und II

Die Ausgrabung war eine Fortsetzung bereits begonnener archäologischer Maßnahmen in den Jahren 1995 und 96, bei denen jedoch das Bestattungsfeld noch nicht lokalisiert werden konnte.

Im Herbst 2007 wurden die archäologischen Untersuchungen fortgesetzt, da weitere 2000 qm des Geländes zur Bebauung freigegeben worden waren. Mit den notwendigen archäologischen Voruntersuchungen wurde der Verein Archäologie im Gleiberger Land e.V. beauftragt. Unmittelbar westlich der Ausgrabungsfläche von 1997 konnte eine weitere Brandbestattung dokumentiert werden, die zudem von einem Kreisgraben umgeben war, der darauf hindeutet, dass es sich ursprünglich um ein Hügelgrab handelte.

Ausgrabungsfläche 2007

 

Ausgrabungsergebnisse:

Weitere Informationen zu den Ausgrabungen finden sie hier:

Befunde/Funde

Brandgräber

Restaurierung

 

Ausstellung des Kulturguts:

Die geborgenen Urnengräber können im Museum der Stadt Usingen und im Stadttormuseum der Stadt Wehrheim besichtigt werden.

 

Danksagung:

Der Erfolg archäologischer Ausgrabungen und Erhalt des dabei geborgenen Kulturguts wird wesentlich durch seine Unterstützer geprägt. Die Ehrenamtliche Kreisarchäolgie des Hochtaunuskreises bedankt sich daher sehr, sehr herzlich bei:

Herrn Dr. Dietrich (Hess. Min. für Wissenschaft u. Kunst), Herrn Dr. Pachali und Herrn Dr. Recker (LfD Wiesbaden),

der Gemeinde Wehrheim,

der Firma Bill GmbH (Butzbach), der Firma Eckhardt (Wehrheim) und der Firma Sander Massivbau GmbH (Pfaffenwiesbach),

Herrn Landwirt Kolaß (Wehrheim),

insbesondere der Gärtnerei/Familie Leder (Wehrheim),

der Restaurierungswerkstatt Fröhlich/Rettel (Mainz/Kriftel),

der Firma Posselt & Zickgraf Prospektionen GbR (geophysikalische Prospektionen),

dem Rotary Club Usingen,

Herrn Dr. Kubach und Frau Dr. Kubach-Richter (Sem. für Vor- u. Frühgeschichte der J.-W. Goethe Uni. Ffm.)

und nicht zu vergessen bei

den fleißigen Grabungsteilnehmer/innen


Dr. Rittershofer, Projektleiter, E. Laufer, Grabungsleiter