24 | 08 | 2019

Befunde

Das Gräberfeld befindet sich im östlichen Teil des Taunus und liegt auf einem seichten Südhang bei der Stadt Wehrheim. Es scheint auf einer ehemals natürlichen Hangterrasse gelegen zu haben. Durch die inzwischen erfolgte Bebauung ist das Gelände jedoch bereits nachhaltig verändert worden.

 

Wehrheim, Hochtaunuskreis, Lage des urnenfelderzeitlichen Gräberfeldes (U);
Ausschnitt aus der Tk 25, Blatt 5617 Usingen (Auflage 1995, Aktualisierung 1993)


Die Ausgrabungsflächen wurden zunächst mit einem Bagger vom landwirtschaftlich gestörten Oberboden befreit. Infolge wurden die auftretenden Befunde und Funde dokumentiert, ausgegraben und geborgen.

1997 wurden fünf Urnengräber (Grab I, II, III, V und VI) und zwei Brandschüttungsgräber (Grab IV und VII) entdeckt. 2007 konnte ein weiteres Brandschüttungsgrab mit Kreisgraben erfasst werden, das ursprünglich wohl mit einem Erdhügel versehen war (Hügelgrab).

Anhand der geborgenen Keramik lässt sich das Gräberfeld  in die mittlere bis jüngere Urnenfelderkultur (Ha A2/B1, 10/11.Jh. v. Chr.) datieren, wie es sich bereits 1978 und 1995/96 angedeutet hatte.

Eine regelmäßige Anordnung der Bestattungen innerhalb der freigelegten Flächen ließ sich nicht erkennen, was für eine willkürliche Belegung spricht. Überschneidungen liegen jedoch nicht vor, was darauf hindeutet, dass die Gräber oberflächlich wohl gekennzeichnet waren.


 

Alle Befunde lagen direkt oder dicht unterhalb des 20 bis 40 cm mächtigen landwirtschaftlichen Pflughorizontes. Mit Ausnahme von zwei Gräbern (I u. VII), die aufgrund ihrer Lage an der östlichen Grundstücksgrenze weniger überpflügt worden waren, waren alle anderen Gräber bereits leicht bis stark durch den Pflug gestört.

 

Funde

Das urnenfelderzeitliche Keramikmaterial lässt sich problemlos in das Inventar der Untermain-Schwäbischen Gruppe einordnen (vgl.  F.-R. Herrmann, Die Funde der Urnenfelderzeit in Mittel- und Südhessen. 1966).

An Metallbeigaben wurde bislang lediglich der durch Verbrennung stark zerkleinerte und geschmolzene Bronzeschmuck aus Grab V geborgen. Mehrere ausgeschlämmte Kleinteile deuten auf den Rest einer nicht näher einzuordnenden Gewandnadel (Schaftteile) und den möglichen Rest eines nicht näher einzuordnenden tordierten Zwillingarmrings hin (vgl. Isa Richter, Der Arm- und Beinschmuck der Bronze- und Urnenfelderzeit in Hessen und Rheinhessen. 1970, Taf. 43 u. 44).

Weitere Tröpfchen aus Grab V und VI deuten vielleicht auf geschmolzenes Eisen hin, wobei das Ausgangsmaterial unbekannt ist. Die Teilchen können aber auch sekundäre Erscheinungen sein, die im Zusammenhang mit chemischen Prozessen im brennenden Scheiterhaufen und den damit verbundenen hohen Temperaturen entstanden sind.

Aus dem Urneninhalt des Grabes von 1978 sowie Grab I, III und VI stammen je ein kleiner Klumpen bis wenige Reste vermutlich geschmolzenen Glases.

Zu den Kleinfunden gehören auch einige verkohlte pflanzliche Überreste. Hierzu zählen nach Angaben der Archäobotanischen Abteilung des Landesamtes für Denkmalpflege Wiesbaden sechs Gerstenkörner (vier aus Grab V, zwei aus Grab VI) und ein Weizenkorn (aus Grab VI).

Die jeweilige Menge an gebranntem Knochen/Leichenbrand (gKn/Lb) in den Gräbern ist sehr unterschiedlich. Die geringste Menge stammt aus Grab IV (Brandschüttungsgrab), die größte Menge aus Grab V (Urnengrab). Im Leichenbrand vermischt können auch tierische Knochen enthalten sein, die von mit verbrannten Nahrungsbeigaben stammen dürften.

Da bei einer heutigen Brandbestattung im Durchschnitt 1,5 bis 2 kg Leichenbrand anfällt, stellt sich die Frage, warum in den urnenfelderzeitlichen Brandgräbern weniger bis kaum etwas davon enthalten ist. Hierauf gibt es sicherlich mehrere Antworten. Zum Beispiel ist es möglich, dass bewusst oder unbewusst nur ein Teil des angefallenen Leichenbrandes vom Verbrennungsplatz aufgelesen und anschließend ins Grab gegeben wurde. Vorausgesetzt, dass nahezu alles geborgen wurde, ist es auch möglich, dass ein Teil an einem anderen Ort bestattet oder verstreut oder einem anderen kulturellen Ritus unterzogen wurde. Eine selektive Bestattung von bestimmten Körperteilen ist ebenfalls denkbar. Unterschiedliche Erhaltungsbedingungen im Urnen- oder Brandschüttungsgrab können im Gräberfeld von Wehrheim wohl nahezu ausgeschlossen werden, da der Erhaltungszustand der gebrannten Knochen in Grab VII (Brandschüttungsgrab) nicht schlechter war, als der in den Urnengräbern.

Bis auf wenige bläulich/schwarze Stückchen weisen alle Fragmente eine altweiße Farbe auf, so dass von einer jeweiligen Verbrennungstemperatur von über 8000 C und mehr ausgegangen werden darf. Hierfür spricht auch die geschmolzene Bronze aus Grab V.

Der gebrannten Knochen ist auffällig klein fragmentiert. Neben einer gewollten Zerkleinerung nach der vollständigen Verbrennung des Leichnams, ist es auch möglich, dass der gebrannten Knochen durch die Berührung mit kaltem Wasser beim Löschen des heruntergebrannten Scheiterhaufens aufgrund der hohen Temperaturunterschiede zersprungen ist.

In Grab V fiel in der Urnenverfüllung ein kleiner unbearbeiteter zerbrochener Quarzitstein (rundlicher Bachkiesel) auf. Da auf der Grabungsfläche als auch im Umfeld immer wieder vereinzelt unterschiedliche Kiesel im Humus und anstehenden Boden auftauchten, kann es sich um eine zufällige Erscheinung handeln. Es ist aber auch möglich, dass der Kiesel absichtlich in der Urne oder zuvor über der Deckschale platziert wurde. Kiesel sind in Urnengräbern nicht unbekannt. Deren Bedeutung wird dabei in magisch/religiösen Vorstellungen gesucht (vgl.: Wolf Kubach, Isa Kubach-Richter, Bronze- und eisenzeitliche Gräber von Langen, Kr. Offenbach a. M., Studien und Forschungen, Heft 10, 1983, Kreis Offenbach, S. 35 f.).



Die Brandgräber