24 | 08 | 2019

Grab I (jüngere Urnenfelderkultur (Ha B1)

Ein zusammengedrücktes Urnengrab mit möglichen Resten einer Deckschale und drei zerscherbten Beigabengefäßen. Es befand sich ca. 20 cm unter der heutigen Oberfläche (u.d.h.O.) unmittelbar unter dem Pflughorizont. Durchmesser des Befundes ca. 46-52 cm, die Grabsohle wurde bei ca. 38 cm u. d. h. O. erreicht.

Der Urneninhalt bestand aus einem braunen, teils steinigen Lehm mit vereinzelt gebrannten rötlichen Lehmkügelchen,  wenig Holzkohle, wenigen sekundär gebrannten Keramikscherben von zwei weiteren Gefäßen, den Beigabengefäßen und dem gebrannten Knochen/Leichenbrand (gKn/Lb; ca. 900 g).

Der gKn/Lb lag im unteren Drittel der Urne. Auffällig war dabei eine ca. 0,5 cm dicke Schicht aus vielen kleinen Steinen (2-5 mm Korngröße), die sich zwischen dem gKn/Lb und dem Gefäßboden befand. Möglicherweise wurde der gKn/Lb vor der Bestattung in einem groben Tuch mit Wasser gesäubert („gesiebt“) und mit diesem anschließend in die Urne gegeben. Eine vergleichbare Auffälligkeit war in den anderen Bestattungen nicht festzustellen.

Auf dem gKn/Lb standen drei Beigabengefäße, wobei eine Schale mit der Mündung nach unten, nördlich an die innere Gefäßwand der Urne angelehnt aufgefunden wurde. Zwei verzierte Becher mit Zylinderhals u. Knickrand befanden sich direkt neben der Schale.

Grab I, Urne mit Beigabengefäße bis zum Gefäßumbruch zerdrückt

Grab I, Nahaufnahme; weiße Teilchen in der Urne = gKn/L

Grab I nach der Teilrestaurierung der Urne u. der drei Beigabengefäße,
eine Schale (2) und zwei verzierte Becher mit Zylinderhals (3), einer davon mit spitz zulaufendem Boden (4)
(Restaurierung: Renate Frölich, Restaurierungsatelier Mainz; Finanzierung: Rotary-Club Usingen)


 

Grab II (mittlere/jüngere Urnenfelderkultur (Ha A2/B1)

Eine in sich zusammengebrochene, im Schulterbereich angepflügte Urne, welche sich ca. 20 cm u.d.h.O. befand. Durchmesser des Befundes: ca. 35 cm. Grabsohle bei ca. 30 cm u.d.h.O. In welcher Form die Urnenbestattung abgedeckt war, ist unbekannt, da hierzu keinerlei Hinweise vorliegen.

Der Urneninhalt bestand aus einem dunkelbraunen, teils steinigen Lehm. Darin vermischt waren vereinzelt gebrannte rötliche Lehmkügelchen, wenig Holzkohle, wenige sekundär gebrannte Keramikscherben (u.a. wohl von einem Becher mit Zylinderhals) und eine auffällig geringe Menge an gKn/Lb (ca. 120 g). Weiterhin wurden aus dem Urneninhalt wenige Keramikscherben geborgen, die von einer kleineren Schale stammen. Vielleicht handelt es sich um die Reste eines zerschlagenen kleinen und untergemischten Beigabengefäßes.

Um die Urne konnte stellenweise eine 2 bis 5 cm breite ascheverfärbte Grabgrube erkannt werden. Ihre ursprüngliche Form ließ sich nicht mehr erkennen, dürfte jedoch der Gefäßform angepasst gewesen sein. Im Nordostteil der Grabgrube kam unterhalb des Bauch-/Schulterumbruchs der Urne eine weitere zerscherbte unvollständige kleine Schale zum Vorschein, die mit der Mündung zur Urne zeigte und somit vielleicht als außerhalb der Urne deponiertes Beigabengefäß interpretiert werden kann.

Keine geordnete Stratigraphie vorhanden. D.h., nach der Verbrennung des/der Verstorbenen wurde ein geringer Teil des angefallenen Leichenbrandes mit Erde und dem übrigen geschilderten Inhalt vermischt in die Urne gegeben.

Grab II, Urne bis zum Gefäßumbruch zerdrückt und im Schulterbereich angepflügt

Grab II, Nahaufnahme; Pfeile zeigen die zerscherbte kleine Schale außerhalb

der Urne in der Grabgrube

Grab II nach der Restaurierung der Urnenreste mit gKn/Lb und den Schalenresten (3, 4)


 

Grab III (jüngere Urnenfelderkultur (Ha B1)

Eine stark gestörte Urnenbestattung. Im gesamten ca. 30 cm starken Pflughorizont über der Urne waren Keramikscherben der Bestattung zu finden. Befunddurchmesser bis ca. 55 cm. Die Grabsohle befand sich ca. 46 cm u.d.h.O.

Der Urneninhalt bestand aus einem dunkelbraunen, teils steinigen Lehm mit vereinzelt gebrannten rötlichen Lehmkügelchen, wenig Holzkohle und wenigen, u.a. sekundär gebrannten Keramikscherben verbrannter kleiner Gefäße/-teile vom Scheiterhaufen. Aus der Urnenverfüllung stammen zwei Keramikscherben, die offenbar von einem größeren Gefäß (wohl eine Schale) stammen und vielleicht die Reste einer größeren Deckschale darstellen. Aus dem Urneninhalt wurden weiterhin die Reste einer zerscherbten, nicht vollständigen kleinen Schale geborgen, die wahrscheinlich aus der Grabgrubenverfüllung über der Urne stammen.

Während der Befundaufnahme konnte stellenweise um die Urne eine 2 bis 10 cm breite, dunkelbraune, teilweise mit Holzkohle durchsetzte Grabgrube erkannt werden. Sie war damit etwas breiter als die aufzunehmende Urne und im Durchmesser rundlich sowie im Profil trichterartig angelegt worden. Nach Entnahme der Bodenscherben der Urne wurde direkt der gewachsene Boden, die Sohle der Grabgrube erreicht, so dass zunächst die Urne in die Grabgrube gestellt und letztere dann verfüllt wurde.

Aufgrund der starken neuzeitlichen Störung im oberen Teil der Urne kann nicht mehr festgestellt werden, ob sie ursprünglich noch erhalten oder bereits bis zum Bauchumbruch in sich zusammengestürzt war. Der noch vorhandene untere Teil der Urne zeigte jedoch, dass wohl schon in vorgeschichtlicher Zeit der zunehmende Bodendruck dazu führte, dass sowohl die Urne als auch die Beigabengefäße in Scherben zerbrachen, aber nicht in sich zusammenfielen (vergleichbar mit den Gräbern V und VI). Somit muss die Urne schon vorher, zumindest bis zur Hälfte mit Erde gefüllt gewesen sein.

Der gKn/Lb lag im unteren Viertel der Urne. Darüber befanden sich vier Beigabengefäße, eine kleine Schale (Beigabengefäß 1), eine große Tasse (Beigabengefäß 2), die auf der Seite lag und deren Gefäßöffnung nach Nordosten zeigte, des weiteren ein profilierter Becher (Beigabengefäß 3) und eine weitere kleine Schale (Beigabengefäß 4). Ob sich in den Beigabengefäßen organische Beigaben befanden, kann nicht beantwortet werden. Hinweise hierauf liegen nicht vor.

In der Nähe der Tasse konnte außerdem ein Bröckchen vermutlich geschmolzenen Glases geborgen werden. Ggf. handelt es sich um den Rest eines verbrannten Schmuckgegenstandes des/der Verstorbenen, vielleicht eine Glasperle?

Grab III im Planum, gut zu erkennen sind die massiven Störungen durch die Bestattungsurne

Grab III, auseinander gedrückte Urne mit Inhalt in der Westhälfte: 
1 = eine Schale, 2 = eine auf der Seite liegende und durch den Pflug beschädigte Tasse

Grab III im Profil, Westhälfte der Urne entfernt, deutlich erkennbar
der im unteren Drittel der Urne deponierte gebrannte Knochen/Leichenbrand (gKn/Lb, weißer Pfeil), 1 und 2 = Lage der Beigabengefäße (vgl. Abb. oben rechts), grauer Pfeil = Tiergang

Grab III im Profil, Westhälfte der Urne entfernt (vgl. Abb. links), Inhalt Osthälfte: 1 bis 4 = Beigabengefäße, (2) bereits entnommen, 3 = ein Becher, (4) ein weiteres Schälchen, noch nicht freigelegt


 

Grab IV (mittlere/jüngere Urnenfelderkultur (Ha A2/B1)

Ein Brandschüttungsgrab, das sich im Planum als angepflügte rundliche, im Profil trichterartige Grube zeigte. Durchmesser ca. 30 cm. Die Grabsohle wurde bei ca. 50 cm u.d.h.O. erreicht.

Der Grubeninhalt bestand aus einer dunkelbraunen, teils steinigen Verfüllung mit vereinzelt gebrannten rötlichen Lehmkügelchen, zwei Holzkohlestückchen und einer großen Anzahl ineinander geschachtelter Keramikscherben eines größeren dickwandigen Gefäßes, dessen nur halb vorhandener Boden schräg auf der Grubensohle stand. An der Grubenwand waren zudem einige Wandscherben dieses Gefäßes angelehnt, so dass bei der Freilegung zunächst der Eindruck entstand, dass es sich hier um eine vollständig in sich zusammengestürzte Urnenbestattung handeln könnte.

Besonders auffällig ist der geringe Anteil an gKn/Lb (5 g), was jedoch in urnenfelderzeitlichen Gräberfeldern immer wieder vorkommt (Vgl. Christine Leitschuh-Weber, Das urnenfelderzeitliche Gräberfeld „Beim Rödlingsweg“ von Dietzenbach. Studien u. Forschungen, Heft 15, 1993, Kreis Offenbach.). Weiterhin ergab das Zusammensetzen der geborgenen dickwandigen Keramikscherben, dass es sich lediglich um ein unvollständiges, ursprünglich wohl recht großes bauchiges Gefäß mit leicht geneigtem Trichterhals und Knickrand handelte, das durchaus einmal als eine Urne gedient haben kann. Beim Zusammensetzen wurde auch deutlich, dass im Befund benachbarte Scherben nicht zwangsläufig zusammenpassten.

Während des Freilegens wurden noch weitere wenige Keramikscherben kleinerer unvollständiger Gefäße zwischen den dickwandigen Scherben, am Grubenrand geborgen: die Reste einer größeren Schale, der Randbereich einer Tasse mit Henkel, der Rest eines sekundär gebrannten Bechers und weitere Scherben unbekannter Gefäße.

Grab IV, gut zu erkennen die in sich verschachtelten Scherben des großen Gefäßes


 

Grab V (mittlere bis jüngere Urnenfelderkultur (Ha A2/B1)

Während des Humusabtrags durch den Bagger fiel ca. 20 bis 25 cm u.d.h.O. im ca. 30 cm mächtigen Pflughorizont eine schmale, Ost-West verlaufende Keramikscherbenkonzentration auf. Darunter kamen die Reste eines bereits durch den Pflug leicht geschädigten Gefäßes zum Vorschein, dessen Durchmesser 52 bis 56 cm betrug.

Beim Freilegen der Westhälfte des Befundes stellte sich heraus, dass es sich bei dem beschädigten Gefäß um eine Knickwandschale handelte, die als Deckschale über eine größere, im Dm. bis 68 cm breite bauchige Zylinderhalsurne mit Knickrand gestülpt war. Der Boden der Deckschale und Teile der Gefäßwand waren nicht mehr vorhanden. Sie schienen durch das Pflügen verloren gegangen zu sein. Der Knickrand auf dem Zylinderhals der Urne war abgebrochen. Er lag stellenweise auf der Schulter der Urne, teilweise von der Deckschale überdeckt. Weiterhin fiel auf, dass um die Urne eine größere Grabgrube fehlte. Soweit überhaupt erkennbar, war die Grabgrube im Durchmesser gerade mal 10 cm breiter als die Urne und zur Grabsohle hin (ca. 70 cm u.d.h.O.) trichterartig angelegt, der Gefäßform angepasst.

Abb. 1 Grab V nach Abtrag des Humus im Planum (Draufsicht);
mittig die Urne (2) mit Resten der Deckschale (1) und Störung durch Pflugspur (3); Abstand von A nach B (Schnittpunkte) = 110 cm; braun = Gefäßscherben (1 und 2),  gelb = Stein, braune breite, West-Ost verlaufende Schlieren = Pflugspuren (wie 3)

Abb. 2 Grab V  im Planum (vgl. Abb. 1). A und B = Schnittpunkte; PfSp = neuzeitliche/moderne Pflugspur; orange > = neuzeitliche Keramikscherbe (19. Jh.) in Pflugspur, welche die Deckschale der Urne bereits gestört hat

Abb. 3  Grab V zu dreiviertel freigelegt. Deutlich erkennbar die bauchige Urne mit den Resten der Deckschale,
welche über die Urne gestülpt worden war.

Aufgrund des guten Erhaltungszustandes wurde die Bestattung rundherum freigelegt und anschließend in 5-cm-Schritten abgebaut/abgetragen. Dabei wurden neben dem üblichen metallischen Werkzeug eigens dafür angefertigte Holzspatel eingesetzt, um die Keramikgefäße nicht unnötig durch moderne „Bergeverzierungen“ zu beschädigen. Jeder Schritt wurde durch Fotografie und Höhennivellierung dokumentiert. Hinzu kamen Zeichnungen mit einem Feldpantographen. Zunächst wurden die Reste der Deckschale abgenommen, wobei auf der Schulter der Urne eine zuvor nicht erkennbare schmale Leiste auftauchte. Erst beim späteren Reinigen der geborgenen Scherben konnten an einer Stelle der Leiste fünf deutliche und drei kaum noch erkennbare schmale Kerben, die senkrechten Strichen gleichen, erkannt werden (siehe Abb. 11). Vielleicht handelt es sich um ein individuelles Töpferzeichen oder eine Zählmarke.

Nach der Restaurierung der Urne und Deckschale (siehe Abb. 10) wurde deutlich, dass die Deckschale mit ihrem Rand nicht auf der Leiste der Urne aufgelegen haben kann, als sie über diese gestülpt wurde.

Der Urneninhalt bestand aus einem dunkel- bis hellbraunen, teils hell gefleckten schwach steinigen Lehm mit vereinzelt gebrannten rötlichen Lehmkügelchen, wenig Holzkohle sowie wenigen kleinen Keramikscherben unbekannter Gefäße. In -15 cm unterhalb der Profillinie tauchte in der Osthälfte der Urne das erste kleinere, auf der Seite liegende Beigabengefäß auf, ein Becher (Beigabengefäß 1). Nach weiteren 10 cm (-25 cm) kamen noch vier weitere Gefäße zum Vorschein: eine Schale (Beigabengefäß 2), die ebenfalls auf der Seite liegend an einen weiteren Becher (Beigabengefäß 3) angelehnt war, eine flache Knickwandschale (Beigabengefäß 4) und ein weiteres kleines Schälchen (Beigabengefäß 5). Hinzu kam der Boden der Deckschale der fast in der Mitte der Urne lag und teilweise über dem nunmehr ebenfalls erkennbaren, in der Westhälfte deponierten gebrannten Knochen/Leichenbrand (gKn/Lb) lag.

Abb. 4 Grab V freigelegt. Reste der Deckschale noch aufliegend

Abb. 5 Grab V freigelegt, Deckschale entfernt. Deutlich erkennbar die umlaufende Leiste auf der Gefäßschulter der Bestattungsurne

Abb. 6 geöffnete Urne mit Beigabengefäße 1 bis 5 (vgl. Abb. 10), dem Boden der Deckschale (Ds) und dem gebrannten Knochen/Leichenbrand (gKn/Lb)

Abb. 7 geöffnete Urne mit Beigabengefäß 6 (vgl. Abb. 10) nach Entnahme der Beigabengefäße 1 bis 5 (vgl. Abb. 6). Links unterhalb des Beig. 6 ist eine größere Knickrandscherbe (Ks) erkennbar, welche das Schälchen stützte. Des Weiteren ist deutlich die dunkle Aschefüllung (Af) zu sehen, auf der die Beigabengefäße und der gebrannte Knochen/Leichenbrand (gKn/Lb) deponiert worden waren.

Aufgrund dieses Befundes lässt sich schlussfolgern, dass nach der Grablegung mit dem wohl schon in der Prähistorie zunehmenden Bodendruck über der Bestattung zunächst die Deckschale zerbrach, so dass dessen Bodenstück in den noch vorhandenen Hohlraum innerhalb der Urne herunterstürzte. Dabei wurde das Beigabengefäß 5 beschädigt. Anschließend muss sich die Urne sehr wahrscheinlich durch Sickereinwirkung allmählich mit Erdreich gefüllt haben. Erst als die Urne komplett verfüllt war, wurde sie ebenfalls durch Zerbrechen in Mitleidenschaft gezogen. Nach vorsichtiger Entnahme der Beigabengefäße 1 bis 5 im Block, tauchte noch eine weiteres Beigabengefäß auf, eine kleine unbeschädigte Schale (Beigabengefäß 6), die zur Stabilisierung an eine größere Knickrandscherbe angelehnt war.

Die angetroffene Stratigraphie in der Urne zeigte, dass sie zunächst mit einer größeren Menge Asche gefüllt wurde, die offensichtlich vom Scheiterhaufen stammte. Darauf wurden anschließend die Beigabengefäße in der Osthälfte und der gKn/Lb in der Westhälfte deponiert. Ob sich in den Beigabengefäßen organische Beigaben befanden, kann nicht beantwortet werden. Es wäre allerdings möglich.
Auffällig war ein kleiner unbearbeiteter zerbrochener Quarzitstein, ein rundlicher Bachkiesel, der in –20 bis –25 cm unterhalb der Profillinie in der Verfüllung der Urne neben den Beigabengefäßen und oberhalb des gKn/Lb in der Westhälfte gefunden wurde.

Ob die Urne erst gefüllt, dann mit der Deckschale abgedeckt und anschließend in die Grabgrube gestellt wurde oder dort erst hineingestellt und dann bestückt und abgedeckt wurde, kann heute ebenfalls nicht mehr beantwortet werden. Anzumerken wäre, dass die Urne nach der Restaurierung ein Leergewicht von 18 kg aufweist. Gefüllt und abgedeckt dürfte sie ein Gewicht von ca. 35 kg gehabt haben.

Die Erde aus der Urne als auch zwischen Deckschale und Urne wurde vollständig geborgen und anschließend einer botanischen/archäologischen Schlämmung zugeführt. Dabei wurden neben den o.a. Schmelztropfen auch mehrere kleine Bruchstücke des Bronzeschmucks geborgen, die auf den Rest einer Gewandnadel und den möglichen Rest eines tordierten Zwillingarmrings hindeuten (vgl. Isa Richter, Der Arm- und Beinschmuck der Bronze- und Urnenfelderzeit in Hessen und Rheinhessen. 1970, Taf. 43 u. 44).

Des Weiteren wurden verkohlte Pflanzenreste geborgen, darunter vier Gerstenkörner, die sehr wahrscheinlich aus der Urnenfelderkultur stammen. Die angefallenen Siebfraktionen mit möglichen weiteren botanischen Resten sowie die bereits erkannten Pflanzenteile wurden zwecks einer archäobotanischen Untersuchungen beim Institut der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen beim Landesamt für Denkmalpflege Wiesbaden abgegeben.

Abb. 8 Turmsieb mit 4, 2, 1 und 0,5 mm Sieb  

Abb. 9 Herr Adolf Rühl, Mitarbeiter und Entdecker des Gräberfeldes, beim Schlämmen einer Probe durch die Siebe

Anmerkung: Die Schlämmung konnte unter optimalen Bedingungen (Probenaufbewahrung, großer Arbeitsraum, genügend Wasser, Trocknungsmöglichkeit der Siebfraktionen) in der Gärtnerei Leder durchgeführt werden. Nebenbei wurden wir auch noch verpflegt und konnten uns an der wandelnden Blumenpracht in den Gewächshäusern erfreuen... Vielen Dank dafür!!

An den Beigabengefäßen 1, 3, 4 und 6 sind auf einer Seite mehr oder weniger deutlich sekundäre Brandeinwirkungen zu erkennen, die möglicherweise durch die Hitzestrahlung des Scheiterhaufens entstanden sind, als die Gefäße während der Bestattungszeremonie in dessen Nähe gestanden haben.
Unter den Beigabengefäßen und dem gKn/Lb befand sich eine ca. 10 cm mächtige Ascheeinfüllung, die bis zum Urnenboden reichte. In ihr befanden sich neben Holzkohlestückchen, wenig gKn/Lb und g/v Lehmkügelchen auch Schmelztropfen, die einerseits auf verbrannten Bronzeschmuck des/der Verstorbenen hindeuteten, andererseits einen eisenhaltigen Charakter aufweisen. In der Verfüllung fanden sich noch zwei kleine sekundär gebrannte Keramikscherben. Eine stammt wahrscheinlich von einem Becher.

Abb. 10 Die restaurierten Gefäße aus Grab V: hinten links die Deckschale (H: 21-25 cm, Rdm: ca. 47 cm), rechts die Urne (H: 56,5 cm, B: 63 cm, Rdm: ca. 40 cm), in der sich die davor gruppierten Beigabengefäße 1-6 (vgl. Abb. 6 u. 7), der gKn/Lb und die Asche mit dem geschmolzenen Bronzeschmuck befanden (Foto: Fam. Etzel, Wehrheim); Restaurierung: Andreas Rettel u. Renate Frölich, Restaurierungsatelier Mainz; Finanzierung: Gemeinde Wehrheim, Geschichts- und Heimatverein e.V. Wehrheim und andere Spender

Abb. 11 Kerben auf der sonst unverzierten Leiste der Urne; vgl. Abb. 10, der dortige grüne Pfeil markiert die Stelle auf der Urne, an der sich die Kerben befinden (Foto: A. Rettel)


 

Grab VI (mittlere bis jüngere Urnenfelderkultur (Ha A2/B1)

Wie bei Grab V fiel während des Humusabtrags durch den Bagger ca. 20 bis 25 cm u.d h.O. noch innerhalb des Pflughorizontes eine schmale, Ost-West verlaufende Keramikscherbenkonzentration auf, die von mindestens zwei unterschiedlichen Gefäßen stammte.

Beim anschließenden Erfassen des Befundes durch ein Planum wurden weitere Bruchstücke geborgen, darunter Knickrandscherben einer Schale und Wandscherben eines Gefäßes, dessen Umrisse sich nun deutlich zeigten: die Urne eines weiteren Brandgrabes. Sie war bereits im Rand-/Halsbereich gestört. Der Halsdurchmesser im Planum betrug ca. 19 cm. In der Nordhälfte querte eine Pflugspur den Befund, wodurch Teile der Urne und offensichtlich einer Deckschale bereits abgetragen und verzogen worden waren.

Abb. 1 Grab VI nach Abtrag des Humus im Planum (Draufsicht); mittig die angepflügte Urne; Abstand von A nach B = 140 cm; braun = Gefäßscherben, schwarze Punkte = Holzkohle, rote Punkte = gebrannter/verziegelter Lehm, gelb = Stein, braune breite, West-Ost verlaufende Schlieren = Pflugspuren

Abb. 2 Grab VI  im Planum; mittig (gelbe Marke) die Bestattungsurne (vgl. Abb. 1); deutlich sind als dunkelbraune Verfärbungen die neuzeitlichen/modernen Pflugspuren im anstehenden hellbraunen Boden zu erkennen

Direkt um die Urne war der Boden leicht dunkel verfärbt. In dieser Verfärbung waren besonders in der Osthälfte vereinzelt Holzkohlepartikel, ein einzelnes gebranntes Knochenstückchen und kleinere sekundär gebrannte Keramikscherben zu erkennen. Beim Freilegen der Westhälfte der Urne stellte sich heraus, dass es sich um die Grabgrubenverfüllung handelte. Wie bereits bei den anderen Bestattungen war sie nicht viel breiter als die aufzunehmende Urne (ca. 47 cm im Durchmesser). Unterhalb des Gefäßumbruchs befand sich eine deutliche Ascheverfüllung, die bis zur abgerundeten Grabsohle reichte und höchstwahrscheinlich vom abgebrannten Scheiterhaufen stammte. Unter dem Bodenteil der Urne war bei dessen Entnahme gegen Ende der Bergung in -25,5 cm unterhalb der Profillinie keine Ascheverfüllung erkennbar (ca. 55 cm u.d.h.O.). Somit muss das Gefäß bereits in der Grabgrube gestanden haben, als die Asche hineingeschüttet wurde.

Aus der Nordost- bis Osthälfte der Grabgrubenverfüllung oberhalb der Urnenschulter wurden neben den bereits o.a. kleinen Scherben noch weitere größere geborgen, die allesamt zu einem größeren groben Gefäß, vermutlich eine flache Schale gehören. Aus der Ascheverfüllung unterhalb der Urne (Südhälfte der Grabgrube) wurden zudem die Reste eines sekundär gebrannten verzierten Bechers geborgen. Zusammengefasst handelte sich wahrscheinlich um Gefäße, die während der Bestattungszeremonie auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden.

Da auch diese Bestattung einen guten Erhaltungszustand aufwies, wurde sie wie Grab V rundherum freigelegt und ebenfalls in 5-cm-Schichten abgebaut/abgetragen. Der Urneninhalt bestand aus einem dunkel- bis hellbraunen, teilweise hell gefleckten, schwach steinigen Lehm mit vereinzelt gebrannten rötlichen Lehmkügelchen und wenig Holzkohle. In -5 cm unterhalb der Profillinie waren in der Nordhälfte einige wenige Keramikscherben der Urne zu erkennen, die in sie hineingefallen waren.

In -10cm tauchten in der Mitte und Nordhälfte der Urne senkrecht stehende bzw. waagerecht liegende größere Keramikscherben auf. Bei den Scherben handelte es sich um Teile der bereits anfangs erwähnten Deckschale, die ursprünglich über die Urne gestülpt war und nach dem Zerbrechen während des Verfüllens der Grabgrube oder aber durch den wohl schon in prähistorischer Zeit zunehmenden Bodendruck in die Urne gestürzt waren. Wie bereits bei Grab V wird sich auch hier die Urne zunächst überwiegend mit Erdreich gefüllt haben, bis auch sie anschließend zerbrach und leicht von West nach Ost verschoben in sich zusammensackte.

In -10 cm wurden auch die ersten zwei von drei kleinen Schalen (Beigabengefäße) vorgefunden. Eine in der Südwesthälfte (Beigabengefäß 1), die andere gegenüber in der Nordwesthälfte (Beigabengefäß 2). Letztere wurde durch die zusammenbrechende Urne leicht beschädigt. Nach weiterem Abtrag von 5 cm kam das dritte Beigabengefäß, ein Näpfchen, zum Vorschein. Es stand direkt nördlich neben Beigabengefäß 2. Alle Schalen lagen umgekippt auf der Seite. In –20 cm tauchte schließlich auch der zu erwartende gKn/Lb auf, der bis zum Urnenboden reichte.

Abb. 2 Grab VI zu dreiviertel freigelegt. Anhand der schwarzen Ascheverfüllung ist die Grabgrube um die Urne deutlich zu erkennen

Abb. 3 geöffnete Urne mit den Beigabengefäßen 1 bis 3  (vgl. Fundbeschreibung), und dem gebrannten Knochen/Leichenbrand (gKn/Lb)

Die Stratigraphie innerhalb der Urne zeigte, dass zunächst der gKn/Lb in die Urne gefüllt wurde (insgesamt 650 g). Darauf wurden dann die Beigabengefäße deponiert. Ob sich in den Beigabengefäßen organische Beigaben befanden kann nicht beantwortet werden. Hinweise hierauf liegen nicht vor. Schließlich wurde die Urne mit einer Deckschale abgedeckt und die Grabgrube verfüllt.

Die Erde aus der Urne und die Grabgrubenverfüllung wurden ebenfalls vollständig geborgen und anschließend geschlämmt. Dabei wurden einige wenige verkohlte Pflanzenreste gefunden, darunter zwei Gerstenkörner und ein Weizenkorn, die aus der Urnenfelderkultur stammen dürften. Obwohl im Grab keinerlei Metallreste von mit verbranntem Trachtenschmuck gefunden wurden, wurden beim Schlämmen des Urneninhalts (0 bis –5 cm) wenige kleine metallische Schmelztropfen (Eisen?) erkannt . Weiterhin möglicherweise geringe Reste geschmolzenen Glases und aus der Grabgrubenverfüllung evtl. Baumpech. Die angefallenen Siebfraktionen mit möglichen weiteren botanischen Resten sowie die bereits erkannten Pflanzenteile wurden zwecks einer archäobotanischen Untersuchungen beim Institut der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen beim Landesamt für Denkmalpflege Wiesbaden abgegeben.


Abb. 4 Urne mit Deckschale im restaurierten Zustand; Restaurierung: Renate Frölich,
Restaurierungsatelier Mainz; Finanzierung: Rotary-Club Usingen


 

Grab VII (mittlere/jüngere Urnenfelderkultur (Ha A2/ B1)

Nach Abschluss der Ausgrabung am 23.10. wurde am 27.11. auf dem Grundstück mit den Erschließungsarbeiten für die geplanten Häuser begonnen. In der Südostecke des Grundstücks standen zuvor drei Nadelholzbäume, die während der Voruntersuchung nicht entfernt worden waren, so dass diese Fläche nicht freigelegt und untersucht wurde. Just an dieser Stelle wurde unter der 30 bis 40 cm Humusschicht ein Brandschüttungsgrab angeschnitten und zur Hälfte abgetragen. Die Grabgrube hatte  im Planum eine rundlich bis ovale, im Profil eine wannenartige Form von ca. 80 cm Durchmesser.

Der Grubeninhalt bestand aus einer schwach braungrauen Verfüllung, vermischt mit Scherben eines größeren Gefäßes. Der gKn/Lb war auf der Grabsohle deponiert worden (ca. 70 cm u.d.h.O.). Direkt nördlich schloss ein schmales Ascheband an, das noch ein kurzes Stück an der nördlichen Grubenwand emporstieg. Ohne erkennbaren Zusammenhang waren darüber in der Grabgrubenverfüllung Keramikscherben des o.a. größeren Gefäßes, des Weiteren vereinzelte Holzkohlestückchen und Steine verteilt. Beim Abtrag der nördlichen Grubenhälfte tauchte ca. 45 cm u.d.h.O. ein mit der Gefäßöffnung nach unten deponierter Becher (Beigabengefäß 1) auf.

Aus dem Baggeraushub unmittelbar westlich des Befundes konnten neben Teile des größeren Gefäßes und gKn/Lb noch einige wenige Keramikscherben eines weiteren kleinen Bechers geborgen werden. Insgesamt dürfte durch die Baumaßnahme eine nicht näher bekannte Menge an Fundmaterial aus dem Brandschüttungsgrab verloren gegangen sein.

Die geborgene Erde aus der verbliebenen Grabgrube wurde einer botanischen/archäologischen Schlämmung zugeführt. Hierbei konnten einige wenige verkohlte Pflanzenreste herausgeschlämmt werden, die wahrscheinlich aus der Urnenfelderkultur stammen. Die angefallenen Siebfraktionen mit möglichen weiteren botanischen Resten sowie die bereits erkannten Pflanzenteile wurden zwecks einer archäobotanischen Untersuchungen beim Institut der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen beim Landesamt für Denkmalpflege Wiesbaden abgegeben.

Grab VII an der Grundstücksgrenze nach Beseitigung noch vorhandener Nadelbäume und Baubeginn

Grab VII im Profil mit der sich schwach abzeichnenden wannenartigen Grabgrube. Auf der Grabsohle der gebrannte Knochen/Leichenbrand (gKn/Lb), in der Grubenverfüllung verteilt die Keramikscherben eines größeren tonnenartigen Gefäßes (Ks)

Grab VII Abstich im nördlichen Viertel der Grabgrube; erkennbar das mit der Mündung nach unten eingebrachte Beigabengefäß (1 = ein Becher) sowie die Keramikscherben (Ks) des  Großgefäßes


Hügelgrabbestattung (mittlere Urnenfelderkultur (Ha A2)

Bei der im Jahre 2007 ausgegrabenen Bestattung handelt es sich um ein Brandgrab, das sich im Zentrum eines Kreisgrabens mit 13,5 m Durchmesser und in ungefähr 30 cm Tiefe u.d.h.O befand. Das nahezu Nord–Süd ausgerichtete Grab mit Kreisgraben bildet offenkundig die westliche Peripherie des Gräberfeldes. Schon der Umfang des Kreisgrabens und der aus dessen Existenz abzuleitende ehemalige Grabhügel sprechen für ein besonderes Monument.

Abb. 1 Die Reste des Hügelgrabes in der südöstlichen Ecke der Grabungsfläche; die gestrichekte Linie
zeigt den Verlauf des Grabens, der Pfeil die Lage der Bestattung; links im Bild (weiße Häuser) das ehemalige
Ausgrabungsareal von 1997

Das Grab selbst zeichnete sich durch eine dunkle Verfärbung (ca. 250 x 120 cm) aus, in deren Südhälfte sich eine Leichenbrandschüttung befand. Spuren eines organischen Leichenbrandbehältnisses, einer hölzernen Grabkammer oder einer Steinpackung/-kiste fehlen.

Als Gefäßbeigaben sind fünf kleinere Schalen aus Keramik zu nennen, von denen ein in wenigen Resten südlich der Leichenbrandschüttung nachgewiesenes Exemplar mit dem Boden nach oben ins Grab gestellt wurde. Die vier anderen Schalen, zwei davon ineinander gestapelt, befanden sich nördlich davon. Die größte Schale grenzte direkt an die Leichenbrandschüttung.

Unmittelbar nördlich dieser Schalengruppe lag ein sehr stark korrodiertes Bronzemesser, dessen Schneide nach Westen und Spitze nach Süden ausgerichtet waren. Seine Niederlegung deutet darauf hin, dass es sich anscheinend um die Bestattung einer männlichen Person handelt.

Vermutlich sind weitere organische, nicht mehr erhaltene Beigaben zu ergänzen, wie der fundfreie nördliche Teil der Grabgrube nahe legt. Die Grabfüllung enthielt nur sehr wenige Holzkohleflitter und einige Manganausfällungen.

Die Keramikgefäße und das Messer mit geschwungener Klinge und nietlosem Dorngriff datieren das Hügelgrab an das Ende des 12. bis in die zweite Hälfte des 11. Jahrhundert v. Chr. (Ha A 2), so dass sich das Inventar hinsichtlich seiner Zeitstellung nahtlos in den chronologischen Rahmen der übrigen Bestattungen einreiht.

Abb. 2 Die Grabkammer mit den Beigaben nach ihrer Freilegung; der gKn/Lb und die wenigen Reste des fünften Gefäßes sind bereits abgetragen; rechts der Gefäße das bronzene Messer (gelb gestrichelte Markierung)

Abb. 3 Die Beigaben im restaurierten Zustand; Restaurierung: Renate Frölich, Restaurierungsatelier Mainz; Finanzierung durch Rotary-Club Usingen und Spenden der Museumsbesucher

 


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Restaurierung